Gestern fand ich obigen Zettel im Briefkasten. Wie ich es hasse, wenn ein Päckchen kommt und ich nicht da bin. Dann heißt es entweder zur Post rennen (Die Öffnungszeiten von 9-12 Uhr und 15-17 Uhr hat sich ein Arbeitsloser ausgedacht), oder unangenehmerweise die Nachbarn stören.
Als ich den Zettel so zwischen Tür und Angel – ich war gerade auf dem Sprung in den Biergarten – in den Händen hielt, lass ich “Wir haben Ihre Sendung bei Ihrem Nachbarn hinterlassen: Bei Mühltonners” Ich fing ich an zu überlegen, wer denn die “Mühltonners” eigentlich sind. Ich hatte ja gedacht, dass ich nun nach 2,5 Jahren endlich die Namen unserer Nachbarn kennen würde. Und dann taucht wieder ein fremder Name auf…
Während ich so im Biergarten saß, überlegte ich zwischendurch immer wieder, was ich jetzt mit diesem doofen Päckchen machen sollte. »Mir bleibt wohl nichts anderes übrig, als in der Nachbarschaft von Haus zu Haus zu wandern und die Klingerschilder zu lesen« dachte ich so bei mir und war reichlich genervt von dem Gedanken an diese Unternehmung. »Und was ist, wenn es keine Mühltonners gibt? Wenn ich sie nie finde? Dann bekomme ich nie mein Paket und mein Mann und mein Vater nie ihre Geburtstagsgeschenke. Prima Sache….«
Ich fuhr also nach Hause und bereitete mich innerlich schon mal darauf vor, mit Taschenlampe bewaffnet wenigstens das Haus der Mühltonners an diesem Abend auszukundschaften. Als ich unsere Haustüre aufsperrte, lag auf dem Tisch ein Päckchen. Es war DAS Päckchen! »Mein Mann ist so super!« dachte ich bei mir »Der kennt hier auch wirklich jeden und merkt sich die ganzen Namen auch noch.« Freudig nahm ich das Paket und hüpfte zu meinem Schatz. »Mensch toll, dass du das Päckchen geholt hast! Vielen Dank! Aber sag mal, wer sind denn die Mühltonners und welches Haus haben die?« fragte ich, um meine Wissenslücke wenigstens für einen Moment zu schließen. Die bessere Hälfte starrte mich fassungslos an. »Was ist?« fragte ich verwirrt. »Das heißt Bei Mülltonnen. Die haben uns das Paket in unser Mülltonnenhäuschen gelegt.« Einen Moment lang war es still. Dann brachen wir beide vor Lachen zusammen. Gut, ein wenig peinlich ist das schon, aber wenigsten kenne ich scheinbar doch alle Nachbarn beim Namen.



