Schon irgendwie fies, wenn man gechillt über den See schlittschuht und plötzlich mitten im Gewässer die Eisschicht endet. Vielleicht war es auch nur eine optische Täuschung. Testen wollte ich es nicht.
Archive for Februar, 2009
Mut zur Lücke?
Rasier dich – ein Sonntagabendkrimi
Mitten in der Nacht wachte ich auf. Da war es. Zwar leise, aber dennoch deutlich zu hören. Ein Brummen. Zuerst dachte ich, dass jemand draußen mit einem Moppet durch den Schnee brausen würde und stecken geblieben wäre. Bei den Massen an Schnee wäre ein Steckenbleiben nicht verwunderlich gewesen. Jedoch wäre es eigenartig gewesen, dass überhaupt jemand bei den Temperaturen im tiefsten Winter mit einem Moppet nachts durch den Schnee braust.
So lauschte ich eine Weile. Als das Brummen auch nach einigen Minuten nicht aufhörte, wurde mir klar: kein Moppet. Ich schlüpfte vorsichtig aus dem Bett und öffnete die Tür vom Schlafzimmer. In der Küche brannte Licht. Hatte ich vergessen es aus zu machen? Das Brummen war lauter geworden. Es kam eindeutig aus meiner Wohnung. Ich tapste langsam den Flur entlang und schlich in die Küche. Während ich waffenlos so dahin schlich, dachte ich an die Hand- und Fußgriffe, die ich im Selbstverteidigungskurs gelernt hatte und es wurde mir just bewusst, dass ich beispielsweise gegen einen wildgewordenen Schnee-Yeti oder gegen ein tobendes Rumpelstilzchen, dessen Name man gerade erraten hatte, recht alt aussehen würde.
In der Küche entdeckte ich die eingetrockneten Reste des Abendessens. Weder der Yeti, noch das Rumpelstilzchen liefen mir über den Weg. Aber es war immer noch da. Dieses immer lauter werdende Brummen. Ich drehte mich behutsam um und schlich den Flur weiter hinunter Richtung Brummen. Da war es! Es kam eindeutig aus dem Badezimmer! Leise klopfte ich an die Badezimmertür: »Hallo?« fragte ich vorsichtig. Ich wollte um keinen Preis der Welt riskieren, das Rumpelstilzchen oder den Yeti beim Lulu-machen zu erwischen.
Ich wartete einige Sekunden. Nachdem ich außer dem Brummen keine Antwort bekam, öffnete ich die Tür und erstarrte: Er war es! Und er flippte völlig aus! Er ratterte über die Waschmaschine wie von der Tarantel gestochen und brummte, dass mir die Ohren fast abfielen. Der Elektrorasierer hatte offenbar einen an der Waffel. In einem günstigen Moment, schnappte ich mir das Ungetüm und versuchte es auszuschalten, aber scheinbar war der Ein-/Ausschaltknopf defekt, denn das Ding surrte und brummte wie wild. Ich umschlang den Rasierer mit meinen Händen, würgte und schüttelte ihn. Doch er hörte nicht auf. Es fiel lediglich sein Maulkorb ab und seine gierigen, wütend um sich beißenden Rasierklingen kamen zum Vorschein. Auch wenn er wesentlich kleiner als ich war, machte er mir unglaubliche Angst. Ich versuchte ihn mit Strom zu füttern, damit er endlich Ruhe gab, aber brüllte weiter und weiter.
Ich rannte hektisch durch die Wohnung und überlegte, wie ich ihn endlich zum Schweigen bringen konnte. Ich wusste, dass etwas geschehen musste, bevor mich sein Gesurre in den Wahnsinn trieb. Dann tat ich es einfach. Ich rannte halbnackt mitten in der Nacht nach draußen in den Garten, holte weit aus und pfefferte das Ding mit Wucht in einen großen Schneehaufen. Ich dachte, ihn so zum Schweigen bringen zu können. Aber er brummte wie bescheuert weiter. Einen kurzen Moment überlegte ich, ob ich ihn meinen Nachbarn vor die Tür legen sollte, als Dankeschön für damals. Die megalaute, unangekündigte Monsterparty, die mich ein Wochenende Schlaf gekostet hatte.Und das, obwohl ich nicht mal eingeladen war.
Ich beschloss mich nicht auf dieses Niveau herab zu lassen und fing an in dem Schneeberg nach dem Rasierer zu wühlen. Es war ja nicht kalt oder so… Nach einer gefühlten Ewigkeit hielt ich ihn wieder in den Händen, brüllend wie eh und je. Es reichte mir. Endgültig. Ich hatte es im Guten versucht, aber jetzt war Schluss. Mit voller Wucht schleuderte ich ihn auf den Boden. Das Ding war nicht tot zu kriegen und brummte fröhlich weiter. Ich war kurz vor dem Ausrasten. Erneut hob ich ihn auf und schleuderte ihn zu Boden, hüpfte und sprang mit beiden Füßen auf ihn und brach mir dabei fast den Knöchel.
Das Brummen wurde leiser. Endlich! Dann verstummte es gänzlich. Skeptisch blickte ich ihn an. Er bewegte sich nicht mehr. Seine gemeinen Klingen starrten mich leblos an. Ich hob ihn auf und zitterte mich zur Mülltonne vor. Ich öffnete den Deckel und lies ihn in die Dunkelheit fallen. Ich vernahm noch einmal ein leises Brummen. Dann war es still.
Hoch Zeit?
Es wird komisch, wenn der Göttergatte den Hochzeitstermin nach dem Bundesligaspielplan richtet.
Ausgeschlossen
Der klägliche Versuch durch den Kofferraum in die Fahrerzelle zu gelangen, scheiterte bereits an dem Anblick meines doch recht kleinen Kofferraums. Ich sah mich schon halb verknotet, zwischen Heck und Rückbank wie ein schwuler Karpatenhund heulend, im Wagen klemmend. Sehr zu Belustigung der vorbeischlurfenden Menschen, die morgens wie Zombies zur Arbeit eiern. Hätte ich ein Cabrio gehabt, hätte ich vermutlich einfach das Dach aufgeschlitzt. Es ist schon ein recht seltsames Gefühl, vom eigenen Auto, das man hegt und pflegt, ausgeschlossen zu werden, weil beide Türen komplett vereist sind. Und nein, da hätte mir ein 5-Türer auch nix geholfen. So stand ich da, zog und zerrte an den Türen und ärgerte mich insgeheim darüber, dass ich nicht K.I.T.T., das Superauto, mein Eigen nennen darf. K.I.T.T. hätte mir mit Sicherheit von alleine alle Türen aufgemacht, die heiße Schokolade würde bereits in meinem Getränkehalter auf mich warten und während K.I.T.T. mich zur Arbeit fährt, würde ich die Zeitung lesen.
Stattdessen kommt man verspätet, verfroren, entnervt und mit Schmerzen in beiden Händen in der Arbeit an und verwechselt auch noch peinlicher Weise einen ziemlich bekannten italienischen Fußballspieler mit seiner besseren Hälfte. Omg.
Vater unser im Simmel
Bei uns um die Ecke hat ein neuer EDEKA Simmel aufgemacht. Schon beeindruckend irgendwie. So schön muss es im Himmel sein. Was der alles im Angebot hat!! Die ganzen leckeren Sachen! Unglaublich, geradezu verzückend! Aber etwas unheimlich ist er dennoch. Ich habe noch nie so einen ordentlichen Supermarkt gesehen. Das wirkt beinahe alles so unecht wie in »Die Frauen von Stepford«. Toll finde ich, dass man am Automaten zahlen kann. Da gibt es quasi keine Kassierer mehr. Die Frau oder der Herr, der/die mal Kassierer war, zieht die Ware über den Scanner. Gezahlt wird dann am Automaten. Toll.
Noch toller fände ich aber, wenn man weder zum rüberziehen der Ware noch zum Automaten gehen müsste. Ich fände es praktisch, wenn man bei dem Supermarkt seines Vertrauens seine Bankdaten hinterlegen könnte und die Waren, die man in seinen Einkaufswagen legt, dabei gescannt werden und der Betrag am Ende des Einkaufs automatisch abgebucht wird. So muss man nicht mal mehr an den Automaten anstehen. Und danach packt man alle Sachen gemütlich in seine Festplattenhandtasche.
Im Akkord
Zu Bandzeiten, aber auch schon davor, habe ich ja hin und wieder den einen oder anderen Song komponiert. Ich weiss noch, wie stolz ich war und ihn meinen Bandkollegen vorgespielt habe. Umso mehr habe ich es gehasst, wenn sie nur meinten:»Hm, das kommt mir aber irgendwie bekannt vor.« Bekannt!? Ja, bekannt kommen einem so manche Sachen vor. Zum beispiel vier Akkorde. Sehr erfolgreiche Akkorde. Diese vier Akkorde scheinen etwas magisches an sich zu haben, weshalb sich viele berühmte Lieder extrem ähneln. Meine Songs bestanden nie aus diesen Akkorden. Vermutlich waren sie genau deshalb auch nie so erfolgreich…
Aufgestiegen
Das einzig Negative an einem Berufsaufstieg ist, dass man morgens mehr Treppen steigen muss.
Wisdom of the Crowds?!
Ich dachte immer: Im Internet, da kann einem geholfen werden. Vor allem bei so schwierigen Entscheidungen wie: Welche Grafikkarte ist die richtige für mich? Welche bringt Leistung und ist noch leise dazu?
Ich dachte immer, die Wisdom of the Crowds wird mir bei solchen Entscheidungen helfen. Was aber, wenn die Weisheit der Vielen zu einem totalen Chaos führt? Wenn sie versagt? Wenn es sie überhaupt nicht gibt?
Gestört
Das Gefühl
Es gibt sie immer wieder im Leben. Diese Momente. Diese »Alarm, ungutes Gefühl!« Momente. Man sieht jemanden auf der Straße. Man kennt diesen Menschen. Man weiß nur im Moment nicht woher. Und da ist es. Dieses ungute Gefühl. Diese Empfindung, die einen am liebsten sofort los weinen lassen würde. Und vermutlich würde man das auch. Aber man ist schließlich erwachsen und da schickt es sich nicht, zu weinen. Deshalb verharrt man still und leise in diesem Gefühl, ohne überhaupt zu verstehen, warum man sich gerade so mies, so niederträchtig und schlecht vorkommt.
Dieser Moment, dieser winzig kleine Atemzug, er geht vorbei. Das Gefühl bleibt. Irgendwann, da erinnert man sich. Der Mensch auf der Straße, er war einer von denen. Von denen, die einen damals während der Schulzeit gehänselt, ausgelacht und verletzt haben. Und obwohl es so unzählige Jahre zurück liegt, fühlt es sich genau wie damals an. Vielleicht ist der Mensch mittlerweile ein anderer. Das Gefühl jedoch bleibt.

