Archive for März, 2008

Sonntag, März 16th, 2008

Formular 5

Weil sie ihren Geldbeutel verloren hat, geht sie auf die Zulassungsstelle, um einen neuen Fahrzeugschein zu beantragen. Nach drei Stunden Wartezeit, bei vier anderen Personen im Wartezimmer, kommt sie endlich an die Reihe und legt der Beamtin alle Unterlagen vor. Die Beamtin durchblättert in aller Ruhe die Dokumente und meint nach einiger Zeit:

„Ja. Das ist alles schön und gut, aber da fehlt Formular 5.“

Sie: „Was für ein Formular? Ich hatte mich im Vorfeld erkundigt und da war nie die Rede von einem Formular 5.“

Beamtin: „Tja…doch, das fehlt leider. Da müssen Sie wohl morgen wieder kommen.“

Sie: „Das ist jetzt nicht Ihr ernst, oder? Sie sehen doch, dass ich alle Papiere dabei habe, eine Nummer habe, Ausweis etc.“

Beamtin: „Doch, doch…leider…“

Sie: „Ich kann morgen nicht wieder kommen. Ich habe keinen Urlaub und bin berufstätig. Ich warte hier sicher nicht drei Stunden, damit Sie mich jetzt wieder wegschicken. Ich stehe hier nicht mehr auf.“

Beamtin: „Jetzt werden Sie nicht unverschämt. Sie brauchen Formular 5.“

Sie: „Ich bleibe hier sitzen.“

Beamtin wird rot vor Zorn, erhebt ihren trägen Körper vom Stuhl und greift zum Telefon.

Beamtin: „Formular 5.“ raunzt sie in den Hörer und hängt ein.
Fast im selben Moment druckt das Faxgerät Formular 5 aus.

Sie: „Das ist jetzt nicht Ihr Ernst, oder? Sie wollten mich nach Hause schicken und nochmal kommen lassen, weil Sie zu faul waren, zum Telefonhörer zu greifen?“

Die Beamtin lächelt kurz und füllt Formular 5 in Ruhe aus.

Freitag, März 14th, 2008

Sche is scho, aber…

Wie schade…das Internet funktioniert hier leider nur sporadisch. Also muss ich mich beeilen. Dabei hätte ich so viele schöne Fotos zum bloggen und spannende Geschichten auf Lager. Wie zum Beispiel von der Animateurin oder Animatöse, die vermutlich eine zehnjährige Hormonbehandlung hinter sich hat und in Wirklichkeit eine russische Geheimagentin ist. Ich warte nur darauf, dass sie per Flick-Flack durch den Speisesaal turnt und anschließend um sich ballert. Vielleicht ist sie aber auch nur eine russische Kugelstoßerin. Oder von dem Mann, der sich jede Morgen beim Frühstück verschluckt. Naja, übermorgen geht es wieder Richtung Heimat und dann habe ich hoffentlich wieder funktionierendes W-Lan.

Mittwoch, März 12th, 2008

Gesichtspeeling Delux

Ich verstehe das nicht. Auch wenn es hier Unmengen zu Essen gibt, habe ich bisher immer brav aufgegessen. Aber das scheint das Wetter nicht zu interessieren, denn heute regnet es ohne Ende. Eine Pistensau wie mich stört das allerdings nicht und wagt sich trotz Sturm und Lawinengefahr in die Berge. Naja, ganz oben am Gipfel ging dann doch ein leichtes Lüftchen und der Schnee und Eisregen peitschte uns in die Gesichter. So muss sich ein echtes Gesichtspeeling anfühlen. Abgefroren ist mir bisher zum Glück aber noch nichts. Meinen lieben Lesern hingegen scheinbar die Finger. Oder warum hab ich stetig mehr und mehr Besucher hier, aber immer weniger Kommentare? Ist es so kalt in der schönen Heimat? Morgen soll es hier 12 Grad werden und die Sonne scheinen. Die werde ich dann einpacken und mitbringen, versprochen.

Montag, März 10th, 2008

Casser la croûte…

So, das Internet funktioniert wieder. Kommentar der freundlichen Dame an der Rezeption: “Sometimes wen it snöws, se cönncetiön is döwn ir for a wile.“ Nah, wie gut, dass wir uns hier nicht in einem Wintersporthotel befinden und es recht selten schneit…

Außer im Netz zu surfen gibt es hier in Meribel im Club Med genau drei Dinge, die man machen kann: Schlafen, Skifahren oder Essen. Letzteres sogar extrem gut und auch sehr häufig. Die fahren immer ein Buffet auf, meine Herren! Da gibt es Sachen zu essen, von denen ich nur geträumt habe bisher.

Diese Waffeln zum Beispiel. Was sind das für Monster-Waffeln?!

Oder diese genialen Torten. Ich hatte für einen kurzen Moment schon einen Plan ausgeheckt, den kleinen Franzosen k.o. Zu schlagen, um die Torten an mich zu reißen.

Aber hach…die traurige Realität auf meinem Teller sieht dann eher so aus.

Apropos Realität: Von diesen Bildern kann man hier momentan leider auch nur träumen, denn in Wirklichkeit ist es recht warm und sieht so aus:

Wenig Schnee, was einen fast dazu zwingt, sich ins kuschelige Hotelbett zu pflanzen. Und wenn man vor lauter schlafen dann Hunger bekommt, schlendert man wieder ans Buffet, um all die schönen Dinge zu bestaunen, die man nicht essen darf. Alle anderen, die sich bei den Leckereien gehen lassen, erwartet nach dem Urlaub eine knallharte Kohlsuppen-Diät. Ätsch!

PS: Se Internet-Cönnectiön doesnt wörks cörrectely nöw. Très bien.

Sonntag, März 9th, 2008

Je suis la!

Nachdem ich den Heulkrampf, weil ich die Wurst das erste Mal bei Freunden abgeben musste, und die elf Stunden Autofahrt überstanden hatte, bin ich endlich da. Sehr beeindruckend das Alles, auch wenn irgendwie kaum Schnee liegt. Die Vorhersage für die nächsten Tage lautet allerdings: Schnee! Doof nur, dass es so schneien soll, dass wir vermutlich wenig Spaß am fahren haben werden. Naja, hier im Hotel lässt es sich auch leben, vor allem bei diesem Essen. Seltsam allerdings, dass die Franzosen einen immer und überall spontan anlabern. Natürlich auf Französisch, ist ja auch die Weltsprache schlechthin. Uh, isch kan nischt sprehen Franzosisch so rapide und verstäe nischt immer alles. Merde! Bülder folgen in die nästen Tag!

Freitag, März 7th, 2008

Voulez vous…

Es kommt ja immer alles zusammen im Leben. War also eigentlich klar, dass ich ausgerechnet jetzt erkältet bin, wo ich morgen eine Woche zum Skifahren nach Frankreich düse. Nämlich dort hin.
Natürlich werde ich wie immer versuchen, einen Internetzugang auszutreiben und auf zahlreichen Fotos meine sportlichen Aktivitäten festzuhalten. Wie ich ungelenkig den Berg runterkugel, Schneeballschlachten veranstalte und mit dem Quietscheentchen im Pool plantsche sportlich elegant die Piste runterbrause, es auf VIP-Parties krachen lasse und Fitness betreibe zum Beispiel.

Sport ist nämlich Pflicht, da das Essen und Trinken dort all-inklusive ist. Uh, die wissen nicht, auf was die sich da eingelassen haben. Nach meinem Besuch sind die Kühlschränke leer, das Hotel pleite und ich so schwer, dass mich die Schneedecke nicht mehr tragen kann. Aber was soll´s? Solange es Spaß macht…

Donnerstag, März 6th, 2008

Total blau

Ich hätte ja nie gedacht, dass ich das auch nur jemals ansatzweise denken würde, aber:

»JUHUU! Schalke ist weiter!!«

Dienstag, März 4th, 2008

Flüsterschrott

Also ich verstehe es einfach nicht. Nicht, weil ich es nicht verstehe, sondern weil ich es nicht verstehe. Versteht ihr? Es kann ja hin und wieder vorkommen, dass man jemanden nicht versteht, also akustisch, aber wie kann dabei so ein Schmarrn rauskommen? Das verstehe ich einfach nicht. Bei meinen Eltern zum Beispiel. Da kommen eigentlich immer komische Sachen raus, wenn sie mich nicht verstehen, und sie hinterfragen es nicht mal.

Ich brüllend vom zweiten in den ersten Stock: „Mami, wo haben wir denn ein Bettlaken??!!“

Sie: „Waaaaasssss?“

Ich: „Wo haben wir ein BETTLAKEN!!???“

Sie zu meinem Vater: „Was will sie?“

Er: „Sie fragt, ob wir Tomaten im Keller haben.“

Sie: „Nein, haben wir nicht!“

Ich: „Waaasss?“

Sie: „Wir haben keine Tomaten im Keller.“

Ich frage mich, wie sie drauf kommen. Wie kommen meine Eltern darauf, dass ich nach Tomaten im Keller frage? Sie trauen mir das tatsächlich zu. Sie trauen mir zu, dass ich nach Tomaten im Keller suche, mich dann damit in eine Ecke verziehe und im dunklen Keller, alleine und abgeschottet von der Welt, Tomaten verdrücke. So, und aus Trotz probiere ich das demnächst mal aus. Vielleicht bekomme ich ja so endlich mein Bettlaken.

Sie brüllend: „Pia, was machst du denn allein im Keller?“

Ich: „Ich esse Tomaten!!“

Sie: „Was? Du brauchst ein Bettlaken? Ok, bringe ich dir!“

Sonntag, März 2nd, 2008

*Haps!*

Lisa war sauer. Sie lag im Bett und weinte vor Wut. Alle anderen Mädchen aus ihrer Klasse durften heute Abend auf die Pyjama-Party von Hanna. Nur sie nicht. Ihre Stiefmutter hatte es nicht erlaubt. Und nicht nur dafür hasste Lisa ihre Stiefmutter.

„Jetzt hör auf zu weinen. Du bist erst neun Jahre alt und zu jung für so eine Feier.“
„Alle anderen dürfen auch hin.“ weinte Lisa.
„Du bist aber nicht alle anderen. Und jetzt schlaf.“ entgegnete ihre Stiefmutter.
„Aber ich hab Angst.“ stammelte Lisa.
„Wovor?“
Lisa zögerte einen Moment.
„Vor…“
„Na, was denn jetzt?“ drängelte ihre Stiefmutter ungeduldig.
„Da…da ist ein Monster in meinem Schrank.“
„Na klar! Du willst nur nicht ins Bett. Deshalb spinnst du jetzt so rum.“ fauchte die Frau Lisa an.
„Nein. Ehrlich. Ich habe es schon öfter gesehen.“ jammerte Lisa.
„Klar…“
„Doch, ehrlich. Kannst du nicht mal nachsehen? Dann kann ich besser schlafen.“
„Puh…Kinder…“

Genervt ging Lisas Stiefmutter zum Kleiderschrank und öffnete ihn.
„Siehst du…da ist nichts.“ sagte sie, während sie sich zu Lisa umdrehte und das zottelige Monster mit dem riesen Maul und der Schweinenase hinter sich im Schrank nicht bemerkte.

*HAPS!* machte es, als das Monster Lisa Stiefmutter mit einem Satz verschlang. Lisa saß wie angewurzelt in ihrem Bett und starrte das Ungetüm an. Das Tier kaute noch einen Moment. Dann blickte es zu Lisa und nickte ihr zu.

Lisa lächelte kurz zurück. „Ich habe es schon öfter gesehen…“ flüsterte sie leise, machte das Licht aus und schlief zufrieden ein.