Fliegen macht Spaß. Besonders in Amerika. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Daß es dort durchaus auch möglich ist, Reisende in den Wahnsinn zu treiben, stellte ich an folgender Situation fest:
Wir verließen Donnerstag um 11 Uhr unser Hotel in Las Vegas und hingen noch ein wenig in den Casinos der Stadt rum. Dabei gewannen und verloren wir Geld, waren aber nicht weiter redenswerte Beträge. Nebenbei schauten wir uns Pferderennen an und versuchten die Zeit bis zur Fahrt zum Flughafen totzuschlagen. Um drei Uhr dann endlich stiegen wir in unser Taxi und wurden zum Flughafen kutschiert. Die Sicherheitskontrollen nervten. Ewiges Anstehen, Schuhe ausziehen, Schuhe wieder anziehen, Handgepäck ausräumen, Handgepäck wieder einräumen. Wir zogen unsere Tickets an einem der super-tollen Automaten. Blöd nur, daß unsere Reisebegleiter zwar ihre Tickets von Las Vegas nach Sisco bekamen, aber die Tickets von Sisco nach München nicht. Der Typ am Schalter lächelte herablassend und meinte, daß wir uns darum wohl in Sisco kümmern müssen.
Wir warteten noch über eine Stunde, bis unser Jet zum einsteigen bereit war. Dann quetschten wir uns in die bis zum Rand volle Maschine und wurden nach 10 Minuten vom Gate zurückgeschoben. Da standen wir. Und standen. Und standen immer noch. Ich schaute aus dem Fenster und fragte mich, warum der Pilot nicht den Klappencheck – bedeutet alle Klappten zu bewegen und die Landeklappen auszufahren – machte. Nach einer Ewigkeit dröhnte die Stimme des Piloten aus den Lautsprechern: „Hallo, wir haben ein Problem mit einem der Hydrauliksysteme und checken das gerade mal. Ist sicher nix großes.“ Nach weiteren 10 Minuten in dem überhitzen Flugzeug dröhnte wieder die Stimme des Piloten aus den Lausprechern: „Ne, also ich kann das so nicht beheben, wir müssen zurück zum Gate und die Techniker müssen sich das anschauen. Das wird c.a. 60 bis 90 Minuten dauern.“ Also wieder zurück an den Finger. Ich wollte gerade große Brocken in die Tüte brechen, als der Chef-Steward meinte: „Die Gäste an Bord mit Weiterflug nach München sollen das Flugzeug bitte verlassen. Sie haben höchste Priorität und bekommen den anderen Flieger nach San Francisco.“ Wir also raus aus dem Flieger, zu einem Mann an dem Gate. Der schicke uns zu einer Frau an einem anderen Gate. Die schickte uns nach einigen Minuten des Wartens zu wieder einer anderen Frau an einem anderen Gate. Dabei mußte natürlich alles sehr schnell gehen. Also rannten wir von Gate zu Gate um die nächste Maschine zu bekommen. Als wir endlich bei dem Gate des anderen Fliegers angekommen waren, sagte die Trulla am Tresen: „München? Ihre Maschine funktioniert doch wieder, also zurück mit Ihnen, aber schnell die warten.“
Wir also im Affen-Tempo den ganzen Flughafen hindurch wieder in unsere erste Maschine. Pilot:“So, alles ok, dann können wir jetzt los.“ Ich wunderte mich, daß aus dem 60-90 Minuten Problem, ein 20 Minuten-Problem geworden war, aber egal. Wir wurden wieder vom Gate zurückgeschoben. Da standen wir. Und standen. Und standen immer noch. Hatte ein Déjà vu. Ich schaute wieder auf den Flügel und stellte fest, daß die Klappen wieder nicht ausgefahren waren. Sie zucken einmal auf, mehr aber auch nicht. Nach weiteren 10 Minuten meldete sich mal wieder unser Freund der Pilot:“Hm. Es geht leider doch nicht. Ich kontaktiere mal die Zentrale in Chicago, was unsere Ingenieure dazu meinen.“ Warten. 10 Minuten später er wieder: „Also die haben gesagt, ich soll mal das zweite Triebwerk anlassen und es dann probieren.“ Ach…wie jetzt? Man muß mit zwei Triebwerken starten? Ich glaube ich werde doch Ingenieurin und verdiene dann ein haiden Geld damit, den Piloten zu sagen, daß man beide Triebwerke für den Start benötigt. Omg. 10 Minuten später: „Ne, es geht immer noch nicht. Wir müssen zurück ans Gate.“ Was hat er denn diesmal vergessen? Die Bremse zu lösen? Wir alle wieder raus. Diesmal auch die anderen Passagiere. Wieder zum Gate mit der anderen Maschine. Dort war bereits das Chaos ausgebrochen, weil alle von unserem Flugzeug mit dieser Maschine mit wollten. Wir hatten Glück und bekamen einen Platz. Allerdings kam auch dieses Flugzeug mit einer Stunde Verspätung erst los, aber es kam wenigstens los. Mit fast drei Stunden Verspätung kamen wir in San Francisco an und erwischten nach weiterem Gehetze wegen der Tickets gerade noch unseren Flug nach München.
An Bord der United Airlines gab es übrigens ganz leckeres Gebäck. Lieber hätte ich allerdings unser Gepäck statt Gebäck. Denn das ist in dem ganzen Chaos in Las Vegas nämlich spurlos verschwunden.